Antifaschistischer Sommerkalender

– aus Zeitschrift telegraph, Nr. 13/90, vom 8. August 1990 –

Das sogenannte „Sommerloch“ fällt in diesem Jahr für die Antifa-Bewegung aus.

Am 9.8. beginnt die Fußball-Bundesliga in Berlin mit dem Spiel Herta BSC 19
gegen FC St. Pauli. Die Besonderheit dabei ist, dass Herta einen mehrere hundert Personen starken Fascho-Anhang hat, St. Paulis Fans dagegen mehrheitlich links und antifaschistisch sind. St. Pauli ruft alle Linken und Antifas auf, gemeinsam mit ihnen einen starken antifaschistischen Block im Olympia-Stadion zu bilden. Nähere Infos sind im Westberliner besetzten Haus Marchstr. zu erhalten.

Weiter geht es dann am 12.8. An diesem Tag soll ein weiteres Fußballspiel zwischen Herta BSC und dem 1.FC Union, diesmal im der Ostberliner Alten Försterei, stattfinden. Es ist dabei wieder mit Großen Fascho-Zusammenrottungen sowie Ausschreitungen zu rechnen. Hauptgefährdet sind besetzte Häuser, linke Treffs und Ausländerinnen.

Am 18.8. wird es in Wunsiedel (BRD) im Zusammenhang mit einer geplanten Ehrung des Naziführers Rudolf Hess voraussichtlich zu einer massenhaften Faschistenzusammenrottung kommen. Hess war der Stellvertreter Hitlers, bis er sich nach England absetzte. Er wurde dann von den Alliierten bis zu seinem Tod in Berlin-Spandau gefangen gehalten. Hess wird von den faschistischen Banden als Märtyrer verherrlicht. Dazu ist eine BRD/DDR -weite Gegenaktion geplant

Nähere Infos zu all diesen Terminen sind in Ostberlin im Infoladen Bandito Rosso, oder im Infoladen Mainzer Straße 5 zu erhalten. Zeigen wir den Faschisten, dass auch der Sommer nicht ihnen gehört
d.w.

Rassistische Polizei

– Aus Zeitschrift telegraph, Nr. 13/90, vom 6. August 1990 –

Rumänischen Flüchtlinge auf den Berliner Ostbahnhof, 1990
Rumänischen Flüchtlinge auf den Berliner Ostbahnhof, 1990 – Fotoquelle: http://telegraph.cc

Berlin/Ost – Hauptbahnhof, in der Nacht vom Samstag zu Sonntag (28729. Juli), in den Zeit zwischen 22 und 1 Uhr, greifen 6 Faschisten die im Bahnhof kampierenden bulgarischen und rumänischen Flüchtlinge an.
Daraufhin ziehen starke Polizeikräfte mit Helm,Schild, Knüppeln und Hunden im Bahnhofsfoyer auf.

Aber statt die Faschisten zu verjagen, prügelten und traten die Polizisten die rumänischen Frauen, Kinder und Männer brutal aus dem Bahnhofsgebäude und dem Bahnhofsgelände. Panisch flüchteten sich die Rumänen und Bulgaren mit ihrer spärlichen Habe auf den Mauerstreifen (Nähe Köpenicker Strasse) 13 Bulgaren wurden festgenommen.
Westberliner und Ostberliner Polizei verhinderten gemeinsam, dass die Flüchtlinge Westberliner Territorium betraten. Herbeieilende Antifas wurden auf dem Hauptbahnhof von den Staatsschützern beschimpft und ihnen wurden Prügel angeboten.

Die Flüchtlinge mussten sich die ganze Nacht auf dem Grenzstreifen aust Angst vor Nazis und Polizisten verkriechen. Die Terrorüberfälle der “Volkspolizei“ auf rumänische Flüchtlinge, die als einziges grauenvolles Übernachtungsquartier Bahnhöfen haben sind in den letzten Tagen „Normalzustand“ geworden.

Rassismus scheint Staatspolitik geworden zu sein. Am Freitag, den 27. Juli wurden gegen 21 Uhr schlafende Bulgaren und Rumänen aus dem Hauptbahnhof geknüppelt. Sie sammelten sich auf dem Parkplatz vor dem Bahnhof. Die Polizei rückte an und trieb die Leute mit Tränengas und Wasserwerfern auseinander. Am 21. 7. versuchte die Bahnpolizei Polen am Aussteigen aus einem Zug aus Warschau zu hindern. Die Leute drängten trotzdem aus dem Zug. Daraufhin ging die Polizei mit Wasserwerfern, Gas, Hunden und Knüppeln vor. Bezeichnend auch, dass darüber in den Medien kein Wort zu sehen war.

Noch kurz zu den in letzter Zeit ausgestreuten Gerüchten über Zwistigkeiten zwischen Flüchtlinge und Ausländerinnen in Westberlin und andererseits Neuankömmlinge“ aus Ostberlin. Zwei Autos mit Türken fuhren auf dem Grenzstreifen und verteilten an die rumänischen Flüchtlinge Getränke.
d.t.

Ausländerhass in der DDR unbekannt

– aus Zeitschrift telegraph, Nr. 13/90, vom 6. August 1990 –

Information des Unabhängigen Kontakttelefons Ostberlin:

Vom 6. bis 8. Juli war ein Antifa-Seminar geplant, an dem sich in Westberlin lebende jugoslawische, türkische, bulgarische, palästinensische und deutsche Jugendliche mit Jugendlichen aus der DDR austauschen wollten.
Das Treffen fand in der Jugendherberge „Kiefert“ in Berlin-Grünau statt. Bereits im Vorfeld sei die Buchung der Herberge schwierig gewesen.

Bereits am Freitagabend wurden die Jugendlichen von ca. 40 Faschisten überfallen. Es gab mehrere Verletzungen, einem Mädchen wurde mit einer Flasche ins Gesicht geschlagen. Der Heimleiter wollte anfänglich die Polizei nicht verständigen (er sei „irritiert gewesen“).
Als diese dann erschien, habe sie der Schlägerei nur zugesehen und auch den ausländischen Jugendlichen einen Begleitschutz verwehrt, berichteten betroffene Jugendliche.
Inzwischen soll der Westberliner Senat eine Strafanzeige wegen Untätigkeit gegen die diensthabenden Volkspolizisten erwägen.

Als sich am folgenden Tag ein Referent beim Heimleiter nach dem Seminar erkundigte, bekam er nur die lakonische Antwort, die Jugendlichen seien wieder abgereist – von den Vorfällen am Vortag erwähnte der Heimleiter nichts.

Wir hoffen anhand von Gedächtnisprotokollen der Betroffenen in den
nächsten Tagen mehr darüber berichten zu können.

Berlin, 9. 7. 90, Unabhängiges Kontakttelefon, g. h.

aus der BesetzerInnen Zeitung

„… wir stellen uns vor, daß die besetzerlnnenzeitung weniger ne richtige zeitung wird, sondern vor allem ein diskussionszettel zwischen den besetzten häusern + auch mit geräumten besetzerlnnen, häuser- und mietkampfgruppen wird, denn da besteht im moment das größte problem: daß wir uns unterein­ander kaum kennen, wenig voneinander wissen + uns oft isoliert fühlen, obwohl wir doch eigentlich total viele sind. (…)

wir stellen uns das konzept so vor, daß ungefähr ab anfang September jede woche in einem anderem haus, bei einer ande­ren gruppe ein offenes redaktionstreffen stattfindet, wo zu­nächst die jeweilige hausgruppe ihre plane + Überlegungen zu infos erzählt + dann mit anderen die beiträge für die näxte nummer fertigstellt, es gibt dazu einen briefkästen im in-foladen mainzer str.5, wo alle beitrage möglichst 1-2 tage vor der offenen redaktionssitzung eingeworfen oder abgegeben werden sollten.
wann welches haus welche ausgäbe macht, können wir schon län­gerfristig ausmachen, so daß jedes haus dann 2, 3 wochen vor-bereitungszeit hat. wir denken, dieses rotationsprinzip wird das info bunter, vielseitiger machen. + wir werden nicht zu profikommentato-ren – davon gibts ja schon genug finstere beispiele aus dem westberliner häuserkampf.
außerdem kanns auch für jedes einzelne haus gut sein, wenn ihr euch trotz allen aktuellen psychos + sonstigem streß auf­rafft, euch zusammen was fürs info zu überlegen. …“ Zitiert aus der BesetzerInnenzeitung (BZ), Nr. 00, vom 6. August 1990 [mehr zur BZ erfahren …]

 

Titelseite BesetzerInnenZeitung, Nr. 4 vom 12. September 1990

Reaktion und harte Kritik auf den Beitrag, sowie am Autor von: „Guben 1. September [ein Kreutz(iger)Zug?]“ aus der BesetzerInnen Zeitung Nr. 3

– aus BesetzerInnenZeitung Nr. 4, vom 12. September 1990 – Der Autor bezieht sich auf diesen Text: http://guben-1-september-ein-kreutzigerzug GUBEN Woher nimmst Du das Recht, mich als mackerhaften Prügelidioten zu bezeichnen?! Gubener Antifas waren es ja wohl, die uns um Hilfe baten. Und nach meinem antifaschistischen Selbstverständnis war es klare Sache, nach Guben zu fahren, um dort … „Reaktion und harte Kritik auf den Beitrag, sowie am Autor von: „Guben 1. September [ein Kreutz(iger)Zug?]“ aus der BesetzerInnen Zeitung Nr. 3“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung Nr. 3/90

Guben 1. September [ein Kreutz(iger)Zug?]

– aus BesetzerInnenZeitung, Nr. 3, vom 5. September 1990 – Für den 1.September gab es für Guben an der Neiße (Grenzstadt zu Polen) Fascho-Alarm. Die Gerüchte um Störung eines deutsch-polnischen Volksfestes durch Schlesierverbände, Neonazis mit Kühnen oder ähnliche Unholde blieben Gerüchte – glücklicherweise, denn die Beteiligung Nichtgubener Antifas war nicht eben reichlich. Aus Berlin reisten … „Guben 1. September [ein Kreutz(iger)Zug?]“ weiterlesen

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Flugblatt: Kein Dialog mit Faschisten!

Offener Brief an Ingrid Köppe vom Bündnis 90

– aus BesetzerInnen Zeitung, Nr. 00, vom 6. August 1990 – Ihren Vorschlag zu einem Dialog zwischen der faschistischen „Nationalen Alternative“ und den „Autonomen“ halten wir für falsch und gefährlich. Aus unserem antifaschistischen Selbstverständnis ergibt sich, dass wir uns zu keinem Zeitpunkt und unter keinen Umständen mit Nazis an einen Tisch setzen werden. Dazu erklären … „Offener Brief an Ingrid Köppe vom Bündnis 90“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung, Nr. 00 vom 6. August 1990

Faschistischer Terror auf dem Ostbahnhof gegen AusländerInnen

– aus BesetzerInnen Zeitung, Nr. 00, vom 6. August 1990 – 21.07.90 Samstag Der Zug Warschau – Paris kommt an. Die Bahnpolizei versucht Polen am Aussteigen zu hindern, mit der Begrün¬dung, sie könnten ja woanders aussteigen. Die Leute drängen aus dem Zug und werden von der BePo vertrieben. Wasserwerfer, Gas, Knüppel werden angewandt, Hunde haben … „Faschistischer Terror auf dem Ostbahnhof gegen AusländerInnen“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung, Nr. 00 vom 6. August 1990

BUNDESWEITE DEMONSTRATION GEGEN NATIONALE EUPHORIE

– aus BesetzerInnen Zeitung Nr. 00, vom 6. August 1990 – Das Bündnis „Radikale Linke“, das schon die Demonstration „Nie wieder Deutschland“ am 12. Mai in Frankfurt organisiert hat, hat auf seinem Kongress Anfang Juni in Köln beschlossen, zu einer Großdemonstration um den 9. November 1990 herum aufzurufen. Als möglicher Ort ist Berlin im Gespräch. … „BUNDESWEITE DEMONSTRATION GEGEN NATIONALE EUPHORIE“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung Nr. 3/90

Eingabe des Infoladen Bandito Rosso, an den Magistrat von Berlin (Ost), zum faschistischen Charakter der NA-Tarnorganisation WOSAN

– aus BesetzerInnen Zeitung, Nr. 3, vom 5. September 1990 – Infoladen Bandito Rosso Lottumstraße 10a Berlin 1054 An den Magistrat von Berlin Stadtrat für Inneres Herrn Thomas Krüger Berliner Rathaus Jüdenstraße Berlin 1020 Berlin am 17.08. 1990 Werter Herr Stadtrat Krüger! In verschiedenen Verlautbarungen haben Sie in den letzten sechs Wochen erklärt, das ,,Problem … „Eingabe des Infoladen Bandito Rosso, an den Magistrat von Berlin (Ost), zum faschistischen Charakter der NA-Tarnorganisation WOSAN“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung, Nr. 1 vom 22.08.1990

Naziangriff & Saufen mit Nazis? Ein öffentlicher Diskurs zwischen besetzten Häusern.

– aus der BesetzerInnen Zeitung Nr. 1, vom 22. August 1990 – Pfarrstraße: Wir haben die Schnauze voll! Die Pfarrstraße ist uns allen ja seit längerem bekannt durch eine Vielzahl von Schoten, die sie sich bisher dort geleistet haben (Magistratsauftritt, Einzelverhandlungsbereitschaft, Kommunikation mit Faschos). Für uns und hoffentlich für alle ist klar, dass es weder … „Naziangriff & Saufen mit Nazis? Ein öffentlicher Diskurs zwischen besetzten Häusern.“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung, Nr. 2 vom 29.08.1990

Scheißaktion am REP Stand!!!

– aus BesetzerInnen Zeitung , Nr. 2, vom 29. August 1990 – Worum geht es überhaupt? Am 18.08. bauten die REPs an der Frankfurter Allee, neben dem gleichnami¬gen U-Bahnausgang, einen Infostand auf. Es war klar, dass wir das nicht einfach hinnehmen konnten, vor allem weil der Standort (nähe Mainzer) als Provokation angesehen wurde. Genaueres war … „Scheißaktion am REP Stand!!!“ weiterlesen

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BesetzerInnenZeitung, Nr. 2 vom 29.08.1990

Faschistischer Angriff auf besetzte Häuser Marchstraße/Einsteinufer (Berlin-West) zurück geschlagen?!

– aus BesetzerInnen-Zeitung, Nr. 2, vom 29 August 1990 – Am Samstag, den 25.8. griffen ca.6 Neonazis um 0.30 Ohr das besetzte Haus Marchstr.23 an. Sie bewarfen die Bewohnerinnen mit Pflastersteinen und Flaschen, zerstörten einige Fenster. Als die Bewohnerinnen sie entlang des Einsteinufers verfolgten, wurden sie aus einem Hinterhalt von weiteren 9 Faschisten mit Eisenstangen, … „Faschistischer Angriff auf besetzte Häuser Marchstraße/Einsteinufer (Berlin-West) zurück geschlagen?!“ weiterlesen

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aus der BesetzerInnen Zeitung

„… wir stellen uns vor, daß die besetzerlnnenzeitung weniger ne richtige zeitung wird, sondern vor allem ein diskussionszettel zwischen den besetzten häusern + auch mit geräumten besetzerlnnen, häuser- und mietkampfgruppen wird, denn da besteht im moment das größte problem: daß wir uns unterein­ander kaum kennen, wenig voneinander wissen + uns oft isoliert fühlen, obwohl wir … „aus der BesetzerInnen Zeitung“ weiterlesen

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